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Der Endverbraucher als Stromerzeuger„Energiepolitik der Zukunft“: Podiumsdiskussion der Würzburger CSU
WÜRZBURG (pw) Am Donnerstag geht es im Bundestag um den von der schwarz-gelben Bundesregierung geplanten Atomausstieg bis 2012. Grund genug für die Würzburger CSU, am Samstag zu einer Podiumsdiskussion über die „Energiepolitik der Zukunft“ einzuladen. „Der Endverbraucher wird künftig auch Stromerzeuger sein“, sagte der Bundestagabgeordnete Josef Goeppel (Ansbach), seit drei Jahrzehnten einsamer Kämpfer in der CSU für die Umwelt und gegen Atomkraft. Als der Bundestag im Oktober zunächst die Laufzeit der deutschen Kernkraftwerke bis 2035 verlängerte, stimmte Goeppel dagegen. Vor gut 50 Zuhörern in der Firma „Beck Elektrotechnik“ am Friedrich-Bergius- Ring erläuterte der Obmann der Unionsfraktion im Umweltausschuss des Bundestags die Strategie, mit der der Atomausstieg bis 2022 geschafft werden soll. Die Energieversorgung, die bisher zentral von wenigen Konzernen sichergestellt wird, soll so Goeppel in Zukunft „dezentral“ erfolgen: „Der Endverbraucher wird auch selbst Strom ins Netz einspeisen“, so Goeppel. Um die Stromversorgung auch ohne Atomkraftwerke sicherstellen zu können, muss zunächst – vor allem durch energetische Sanierung von Gebäuden – der Energieverbrauch gesenkt werden. „Wer einmal ein Wärmebild seines Hauses gesehen hat, der wird aktiv“, ist sich Goeppel sicher. Ersetzt werden soll die Kernkraft durch einen Mix aus erneuerbaren Energien: Wasserkraft, Windkraft, Sonne, Biogasanlagen. Bis 2020 soll laut Goeppel mehr als ein Drittel des Stroms in Deutschland so erzeugt werden, 2030 die Hälfte. Die Bundesregierung fahre durch die Rücknahme der Laufzeitverlängerung und den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 „keinen Zick- Zack-Kurs“, betonte Paul Lehrieder. Der Würzburger CSU-Mann hat im Oktober als einer von 308 Bundestagsabgeordneten für die Laufzeitverlängerung gestimmt. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt er heute, nach den Ereignissen im japanischen Fukushima: „Wir haben die Brückentechnologie Atomkraft nur für tragfähiger gehalten als sie tatsächlich ist.“ Auch laut Landtagsabgeordnetem Otto Hünnerkopf (Kitzingen) gibt es keine CSU-Kehrtwende in der Atompolitik: „Wir gestalten nur die Übergangszeit deutlich kürzer.“ Hünnerkopf ist davon überzeugt, im Freistaat innerhalb von zehn Jahren die Energiewende schaffen zu können: „Wir können von den bereits weit entwickelten Umwelttechnologien ausgehen, die wir in Bayern angesiedelt haben.“ Unter anderem sind 40 Prozent der deutschen Photovoltaik-Anlagen in Bayern zu finden. Der Anteil der Photovoltaik am Energiemix soll im Freistaat bis 2022 von derzeit 3 Prozent auf 16 Prozent ausgebaut werden. Auch Windkraftanlagen müssten ausgebaut werden, „wo es möglich und sinnvoll ist“. Dabei müssen laut Hünnerkopf die Bedenken und Empfindlichkeiten der betroffenen Bürger ernst genommen werden. Hünnerkopf und Lehrieder sprachen sich für eine bundeseinheitliche Regelung von Mindestabstandsflächen von Windrädern zur nächstgelegenen Wohnbebauung aus. „Unsere ehrgeizigen Ziele werden wir nur zusammen mit der Bevölkerung erreichen“, sagte Lehrieder. Carsten Schuster, Sprecher für den Bundesverband Windenenergie, sieht das anders: „Mindestabstandsflächen sind nicht notwendig, es gibt keinen Regelungsbedarf.“ Auch Peter Wolf, Geschäftsführer des Gastgebers „Beck Elektrotechnik GmbH“, ist optimistisch, die Energiewende in zehn Jahren schaffen zu können. Unter einer Bedingung: „Wenn die Politik künftig so arbeitet wie der deutsche Mittelstand schon immer arbeitet, dann werden wir die Ziele leicht erreichen“, sagte Wolf
Quelle: Mainpost vom 27.06.2011 |



